
Geschrieben von
Marvin Marqua
Datenqualität
Wie funktioniert Heureka technisch?
Heureka ist eine technische Lösung zur Integration von Informationssystemen im Gesundheitswesen, insbesondere von Praxisinformationssystemen (PIS).
Der zentrale Gedanke: Statt für jede Arztpraxis individuelle Schnittstellen zu entwickeln, stellt Heureka eine einheitliche, standardisierte FHIR® API bereit. Diese kann anschliessend auch für weitere angeschlossene Praxen und Parteien verwendet werden, welche eine Schnittstelle für eines der vielen Primärsystemen benötigen.
Das reduziert den Integrationsaufwand, erhöht die Wartbarkeit und schafft eine solide Basis für benötigte Datenflüsse, auf Basis eines international anerkannten, interoperablen Standards.
Heureka aus technischer Perspektive
Technisch setzt Heureka auf klar definierte FHIR Ressourcen und Prozesse, die eine zuverlässige Weiterverarbeitung ermöglichen. Ein zentrales Element ist dabei unser erweiterter Qualitätszirkel im Entwicklungsprozess.
Bei der Entwicklung neuer Datentypen gehen wir bewusst iterativ und qualitätsgetrieben vor:
Wir identifizieren, welchen benötigten Datentyp wir mit einer FHIR-Ressource am besten abbilden können.
Wir erstellen das initiale Mapping für diesen Datentypen gemäss dieser FHIR-Ressource.
Anschliessend prüfen wir dieses Mapping in einem iterativen Prozess - zuerst intern und anschliessend extern, mit Produktivdaten und echten Arztpraxen. Diesen Prozess wiederholen wir für alle derzeit unterstützen PIS mehrfach.
Wenn die Resultate unseren hohen Standards entsprechen, kennzeichnen wir die Ressource als “validiert” und stellen sie den Heureka Anwendungen zur Verfügung.
Qualität und Zuverlässigkeit steht bei diesem Prozess an oberster Stelle: Erst wenn alle Schritte erfolgreich abgeschlossen sind, entsteht ein validierter Datentyp, der produktiv eingesetzt werden kann.

Bild 1: Der Heureka Quality-Loop
Herausforderungen bei der Datenintegration
So vielversprechend der Ansatz ist – im Gesundheitswesen gibt es klare Rahmenbedingungen, welche entsprechend Herausforderungen mit sich bringen.
Keine Dateninterpretation
Ein zentrales Prinzip von Heureka lautet: Wir interpretieren keine Daten.
Das hat konkrete Auswirkungen: Einerseits können manche Datenfelder je nach Primärsystem nicht direkt gemappt werden. Auch müssen Statusfelder teilweise den Wert „unbekannt“ enthalten, obwohl Informationen vorhanden wären. Das bedeutet wiederum, dass die Vollständigkeit der Daten darunter leiden kann.
Begrenzte semantische Interoperabilität
Eine weitere Herausforderung ist die Dokumentation von gewissen Datentypen, wie z.B. “Diagnosen“. Im Praxisalltag werden Kodierungen (z. B. ICD) nur selten oder inkonsequent verwendet. Dadurch können diese Daten ohne Interpretation durch eine ausgebildete Fachperson nur begrenzt verwendet werden. Eine strukturierte Weitergabe dieser Informationen ist entsprechend schwierig. In der Folge leidet die semantische Interoperabilität, was schwierig ist, gerade weil betroffene Datentypen wie z.B. “Diagnosen” für Anwendungsfälle wie die Weitergabe zwischen Hausarzt und anderen Leistungserbringern höchst relevant wären.
Diese Herausforderungen sind jedoch keine Schwächen von Heureka allein, sondern spiegeln den aktuellen Reifegrad der Datenlandschaft im ambulanten Gesundheitswesen wider.
Chancen durch Heurekas Vorgehen
Trotz – oder gerade wegen – der oben genannten Herausforderungen ergeben sich für Heureka aber auch klare Chancen.
Verbreitung von FHIR vorantreiben
Heureka setzt mit ihrer Datenintegration auf die Förderung von technischen Standards wie HL7 FHIR. Dadurch wird der Integrationsaufwand für Softwarehersteller und Praxen signifikant reduziert. Es entsteht zudem eine bessere Grundlage für eine interoperable, zukunftsfähige Schweizer Gesundheits-IT, denn die Spezifikationen sind gratis und restriktionsfrei. Auch ermöglicht das Vorgehen von Heureka eine skalierbare Integration («out-of-the-box») ohne individuelle Schnittstellenprojekte. Zudem können Basisressourcen nach Bedarf adaptiert werden. Auch unterstützt Heureka damit eine RESTful Architektur, die den nahtlosen Austausch von Informationen mittels Nachrichten und Dokumenten und einer servicebasierten Architektur ermöglicht.
Innovation ermöglichen
Heureka kann damit als Treiber oder Katalysator für eine breitere Nutzung standardisierter Gesundheitsdaten in der Schweiz fungieren. Durch die Heureka FHIR API können Ärzt:innen Daten aus ihrem Primärsystem mit Anwendungen ihrer Wahl sicher und strukturiert erteilen. Damit wird beispielsweise der Datenaustausch mit anderen Leistungserbringern verbessert oder Behandlungsverläufe können positiv beeinflusst werden, da via Heureka die relevanten Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort abgerufen werden können. Auch wird durch Heureka die administrative Last der Arztpraxen gesenkt, da bereits im Primärsystem erfasste Daten direkt geteilt werden können – statt wie heute x-mal abgetippt oder copy-pasted. Zudem können die Daten aus dem PIS strukturiert für Forschung und Innovation gezielt freigegeben und genutzt werden, auch in pseudonymisierter Form.
Gemeinsam für Standards im Schweizer Gesundheitswesen
Wir von Heureka sind stolz darauf, Teil der HL7 Schweiz Familie zu sein und begrüssen ausdrücklich, dass die Entwicklung der CH FHIR Ressourcen kontinuierlich voranschreitet. Es war uns entsprechend eine Ehre, unsere Herangehendweise vorzustellen.
Wir sind überzeugt:
Mit Heureka können wir einen konkreten Beitrag dazu leisten, dass technische Standards wie FHIR im Schweizer Gesundheitswesen nicht nur definiert, sondern auch gelebt und eingesetzt werden.
Denn nachhaltige Digitalisierung entsteht nicht durch Insellösungen – sondern durch gemeinsame Standards, saubere Daten und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Darauf arbeiten wir mit Heureka Tag für Tag und ein Datentyp nach dem andern hin.
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